Vermutlich werden nur Menschen meines Jahrganges oder älter Hans Rosenthal kennen. Den jüngeren dürfte er wohl kein Begriff sein.
„Hänschen“ Rosenthal. Als Mitglied der „Fernsehkinder“ Generation ist mir der Anblick jenes kleinen, dunkelhaarigen Mannes, der in einem korrekt sitzenden 70er Jahre Anzug, mit Schlaghosen und breiten Revers im Bild schwebt, nur noch zu gut vor Augen.
Immer wenn eine große Anzahl von Zuschauern im Fernsehstudio vor Begeisterung auf den Knopf des „Applausometers“ ihres Sitzplatzes drückte, erklang eine Sirene, eine Rundumleuchte sprang an und der Quizmaster Hans Rosenthal rief in die Menge: „Sie sind der Meinung, das war …“. Dann gab es eine kleine Spannungspause und während er und der gesamte Saal „Spitze!“ brüllten, sprang der kleine Mann mit gestreckten Armen und angewinkelten Beinen hoch und das Kamerabild fror in diesem Moment kurz ein. Legendär!
In den 60er und 70er Jahren schrieb dieser sympathische Jude deutsche Rundfunk und Fernsehgeschichte.
Nun erschien Anfang 2025, 38 Jahre nach seinem Tod, 45 Jahre nach der Erstauflage, aber auch 80 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, erneut seine Biografie „Zwei Leben in Deutschland“, um die es hier geht.
Hans Rosenthal durchlebte wahrhaft zwei völlig unterschiedliche Leben. Das erste als Jude in Nazideutschland. Der Vater früh verstorben, später die Mutter, war er selbst für sich und den kleinen Bruder Gert verantwortlich. Kurz danach von einander getrennt und schließlich musste er den Tod des geliebten, kleinen Bruders verkraften, der durch die Nazis umkam. Es folgte u.a. eine lange Zeit des verborgenen Daseins mitten im Kriegsberlin, mehrfach knappes Entrinnen vor dem Tod.
Und schließlich, nach dem Krieg, sein zweites Leben beim RIAS in Berlin, Ehe, Kinder, Fernsehkarriere, Fußball und Engagement. Er wurde 61 Jahre alt.
Da ich ihn „kannte“ und er, wie schon erwähnt, zu den sympathischen Vertretern unserer Gattung zu rechnen war, sprach mich das Buch sofort an. „Damals“ in den 80ern, als es zuerst herauskam, war es wohl an mir vorbeigegangen.
Schön, dass es nun doch noch klappte.
Ich habe es gern gelesen und ich habe es zügig gelesen. Das ist schon mal ein Pluspunkt für es. Denn meist habe ich mehrere Bücher gleichzeitig „in Arbeit“.
Wie sich Hans Rosenthal in den 30er und 40er Jahren mitten in Berlin durchkämpfen musste, ist schon spannend und bewegend. Es lässt ein wenig erahnen, was es hieß in dieser Zeit Jude zu sein.
Aber er ließ sich nicht unterkriegen und ging nach 1945 zielstrebig seinen Weg. Und er blieb in Deutschland. Er bekannte sich zu seinem jüdischen Glauben, war auch ein politischer Mensch. Sowohl in Betriebsräten, als auch im Zentralrat der Juden. Er war Fussbalfan, Familienmensch und mochte die Menschen.
Genau so kam er bei mir an. Ein menschlicher Mensch, möchte man sagen. Ich wäre ihm gern einmal begegnet.

