Auf Martin Scorseses Film über zwei portugiesische Jesuitenpater, die sich im 17. Jahrhundert auf eine gefährliche Missionsreise nach Japan begeben, habe ich bereits ein halbes Jahr gewartet.

Nachdem ich über das Filmprojekt des Kinoaltmeisters gelesen hatte und zudem der gleichnamige Roman, auf dem „Silence“ – so heißt der Film – beruht, erneut erschienen war, stieg meine Erwartungshaltung. Um die Wartezeit bis zur Filmpremiere zu überwinden, habe ich mir zuerst den in den 60er Jahren in Japan erschienenen und dort sehr umstrittenen Roman beschafft.

Es geht um die besagten zwei Jesuitenpater, die nach Japan reisen, um einen „großen“ Pater ihrer Zunft ausfindig zu machen, dem man den Abfall vom Glauben nachsagt. Die beiden wollen den Abfall ihres einstigen Lehrmeisters nicht glauben und machen sich daher trotz der Warnungen ihrer Vorgesetzten auf die lange und beschwerliche Reise. Und Japan ist in jener Zeit ein sehr gefährlicher Platz für Christen. Christen werden dort verfolgt, unterdrückt, gefoltert und getötet, sofern sie nicht bereit sind, sich dem „toleranten“ Staat zu unterwerfen und ihrem Glauben offiziell abzuschwören. Dies geschieht durch den bewussten Tritt mit dem Fuß auf ein Abbild Jesus Christus. Wer diese Geste verweigert, ist des Todes. Und – so auch im Roman immer wieder beschrieben – dieser Tod ist a) kein „schöner“ Tod und b) schon gar kein leichter Tod. Ich will euch Details an dieser Stelle ersparen. Auch der Film spart natürlich diesen Teil der Geschichte nicht aus, wobei er aber sehr gut die Grenze zwischen Darstellung des Geschehenen und billiger Effekthascherei zieht. Das Töten von Menschen ist schon grausam genug.

Aber, um es gleich zu sagen, es geht bei Silence nicht nur um die Grausamkeiten gegenüber den im Untergrund und im Verborgenen agierenden Christen des alten Japans, sondern es geht natürlich auch um die beiden Pater, die auf der Suche nach ihrem Lehrmeister sind. Auch sie sind mit der Ankunft im nasskalten und unwirtlichen Japan der Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt. Sie begegnen Menschen, die bereit sind für ihren Glauben zu sterben und sie begegnen Menschen, die zu schwach sind, um diesen Weg zu gehen. Sie lenken ein und widerrufen – nur um sich hinterher mit einem schlechten Gewissen zu plagen, weil sie Jesus öffentlich den Rücken gekehrt haben ohne innerlich aber ihren Glauben verloren zu haben. Auch dem jungen Pater Rodrigues bleiben diese Zweifel nicht erspart.

Er muss miterleben, wie es den Christen in seiner Umgebung ergeht und stellt sich natürlich immer mehr die Frage: „Wie werde ich mich entscheiden? Bin ich stark genug, um für Christus in den Tod zu gehen oder werde ich schwach sein und widerrufen?“ Und natürlich muss er wissen, was aus Pater Ferreira geworden ist. Hat er tatsächlich dem Glauben abgeschworen?

Silence ist – so sage ich immer – ein literarischer Film. Aktionszenen brauchen wir nicht zu erwarten. Dafür bekommen wir Menschen zu sehen. Menschen, die in Ausnahmesituationen und in große innere Bedrängnis geraten. Entweder am Glauben festzuhalten und das wahrscheinlich mit dem Tod zu bezahlen oder widerrufen und in Frieden weiterleben können – davon aber von innerem Zweifel, das Richtige getan zu haben, geplagt zu werden.

Silence passt angesichts der massiven Verfolgung von Christen und Anfeindungen des christlichen Glaubens weltweit sehr gut in unsere Zeit. Ich wünsche mir selbst, dass ich niemals in die Lage versetzt werde, zwischen Glaube und Tod wählen zu müssen.

Achten wir darauf, dass wir in unserem Land die Kräfte verhindern, die zwar Toleranz predigen, wie der japanische Inquisitor im Film, aber im gleichen Zug dafür sorgen, dass Christen von der Bildfläche zu verschwinden haben. Christen waren und werden wohl immer den Herrschenden ein Dorn im Auge sein, weil sie letztlich nie den „Herrscher“ als oberste Instanz anerkennen werden. Über jedem Herrscher steht aus christlicher Sicht immer noch jemand, der größer ist. Und das können Machthaber selten gut verdauen. Untertanen, die eine höhere Autorität anerkennen, als die weltliche, passen da nicht ins Bild.

Bleiben wir wachsam!

Bis demnächst

Andreas

Silence Book Cover Silence
Literaturverfilmung
Best Entertainmant
September 2017
DVD

Portugal 1638: Die beiden jungen Jesuiten Sebastião Rodrigues und Francisco Garrpe reisen nach Japan, um Sebastiãos ehemaligen Mentor Cristóvão Ferreira ausfindig zu machen. Gerüchten zufolge soll sich dieser von seinem Glauben losgesagt haben. In Japan angekommen müssen sie feststellen, dass die Christen dort einer schrecklichen Verfolgung ausgesetzt sind, viele von ihnen werden brutal gefoltert und hingerichtet. Schnell befinden sich auch Rodrigues und Garrpe in Gefahr ... "Silence" basiert auf dem Roman Schweigen des japanischen Autors Endo Shusaku. Die bildgewaltige Verfilmung von Regisseur Martin Scorsese fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde - nicht zuletzt dank der starken Besetzung mit Andrew Garfield ("Spider-Man"), Liam Neeson ("Schindlers Liste") und Adam Driver ("Star Wars: Das Erwachen der Macht") in den Hauptrollen. Bildformat: Widescreen 2,35:1, (16:9) Tonformat: Deutsch und Englisch (DTS 5.1, Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1) Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

5/5
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Andreas König

Andreas König

Selbständiger Onlinebuchhändler, Blogger, IT Dienstleister und Freelancer.

2011 habe ich, gerade 50 geworden, als Quereinsteiger eine Buchhandlung mit dem Spezialgebiet christliche Literatur gegründet. Fast jeden Monat gab es Veranstaltungen, ich schrieb Blog und knüpfte viel Kontakte mit lokalen und überregionalen Autorinnen und Autoren.

2021 habe ich das Ladengeschäft geschlossen und bin in den aktiven Ruhestand gegangen.

Da ich von meinen Interessen her, seit jeher breit aufgestellt war, war und bin ich noch immer in und für die Stadt aktiv unterwegs. 

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